Kinder mit Allergien in Schule und Kita

Wer muss, kann oder soll Medikamente geben und wie können Eltern helfen?

Auf einer Kreidetafel sieht man zwei gelbe Strichmännchen mit einem Stift in der Hand
Wieso, weshalb, warum? Wenn Kinder mit Allergien in die Kita oder Schule kommen, ist eine gute Abstimmung zwischen Lehrern, Betreuern und Eltern wichtig.

Lebensmittelallergien bei Kindern – die Zahlen steigen

In jeder Klasse sitzt mindestens ein Schüler mit einer Lebensmittelallergie – statistisch gesehen. Kinder mit Allergien sind in der Kita oder Schule keine Ausnahme mehr. Für Betreuer und Lehrer ist das eine Herausforderung, denn der eine reagiert auf Weizen und der andere darf keine Nüsse essen. Essen wird eine komplizierte Angelegenheit. Und was tun, wenn ein Kind allergisch reagiert und Medikamente braucht?

Achtung Allergie: Geburtstagsmuffins und Schulausflüge

Wer ein Kind mit einer Lebensmittelallergie hat, kennt das: zuhause gibt es nur „sichere“ Nahrungsmittel, die Zutatenlisten sind gecheckt, Essen wird am liebsten frisch gekocht. So wissen Eltern, was drin ist und die Familie kann ganz entspannt zusammen essen. Doch dann kommt ein neuer Abschnitt: Kita oder Schule. Ab jetzt wird das eigene Kind von anderen betreut. Und plötzlich ist es umgeben von Allergieauslösern! Irgendein Kind hat immer Geburtstag und bringt Kuchen, Muffins oder Schokolade mit. Auf dem Schulausflug gibt es Eis spendiert oder die Chipstüte macht die Runde. Für Allergikereltern Stress pur! Auch für die Lehrer und Betreuer….

Große Verwirrung: Den Allergenen auf die Spur kommen….

Als Eltern lernt man Zutaten auf Verpackungen zu lesen und weiß auch, dass das mit den Spuren von Allergenen so eine Sache ist… Leider ist das (noch) nicht gesetzlich geregelt und so sind fast auf allen Verpackungen Warnungen gedruckt, dass das Produkt Spuren von z.B. Nüssen oder Milch enthalten kann. Im Kindergarten bekamen wir einmal einen panischen Anruf von einer Betreuerin. Unsere Tochter hätte Schokolade gegessen, die Spuren von Erdnüssen enthalten könnte. Keine allergische Reaktion zum Glück, doch es zeigt, wie schwierig die Situation für alle einzuschätzen ist. Vor allem wenn die Kinder klein sind.

Klare Absprache: wer hilft wann und wie…

Am besten ist es, Schule und Kita gut über die Allergie des Kindes zu informieren (das gilt auch für Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis). Ein Gespräch in ruhiger Atmosphäre eignet sich, um gemeinsam zu besprechen, auf was das Kind allergisch reagiert, wie sich die Symptome zeigen und was dann genau zu tun ist.

Besteht bei einer Lebensmittelallergie die Gefahr eines allergischen Schocks, verschreibt der Arzt in der Regel Notfallmedikamente. Die sollte das Kind immer in einem Notfallset bei sich tragen. Dazu gehört auch ein Adrenalin-Autoinjektor, der bei einem allergischen Schock angewendet wird. Doch dürfen Betreuer ihn verabreichen? Die Antwort ist eindeutig: Ja, sie müssen sogar. Das sagt die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), denn der Einsatz des Injektors ist eine Erste-Hilfe-Leistung zu der Lehrer und Erzieher verpflichtet sind. Viele haben Angst zu haften, wenn dann etwas schiefgeht. Das ist allerdings in der Regel völlig unbegründet. Viel wichtiger ist es zu helfen, das kann sonst sogar unterlassene Hilfeleistung sein.

Klare Regeln für den allergischen Notfall

Deshalb sollten Lehrer und Betreuer gut geschult sein und die Anzeichen eines allergischen Schocks erkennen. Sie sollten wissen, wo die Medikament aufbewahrt werden, wie sie angewendet werden und wer im Notfall benachrichtig werden muss. Klare Absprachen zwischen Eltern und dem Betreuerteam sind ganz wichtig. Es gibt sogenannte Probepens (Adrenalin-Autoinjektoren ohne Wirkstoff), mit denen man üben kann. Die habe ich schon mal zum Gespräch mitgebracht, so konnten Lehrer oder Erzieher den Einsatz des Pens stressfrei ausprobieren. Der DAAB (Dt. Allergie- und Asthmabund) bietet auch Webinare speziell für Erzieher und Lehrer zu dem Thema an. Vielleicht ist es beruhigend zu wissen, dass der Adrenalin-Autoinjektor ein reines Notfallmedikament ist, also auch nur dann verabreicht wird. Ein schwerer allergischer Schock tritt eher selten auf. Es ist eine Vorbereitung für den Fall der Fälle. Die Handhabung ist sehr einfach. Und Nebenwirkungen durch das Adrenalin sind bei (herzgesunden) Kindern unwahrscheinlich.

Kinder mit Allergien: Schatzkiste für die Kita oder Schule

Kinder mit einer Lebensmittelallergie können schon früh lernen, ihre Allergieauslöser zu erkennen und kein Essen mit anderen Kinder zu tauschen. Um allergische Zwischenfälle möglichst zu vermeiden, kann man eine Schatzkiste in der Einrichtung deponieren. Die ist gefüllt mit „sicheren“ Süßigkeiten, die das Kind essen darf. Feierte ein anderes Kind Geburtstag, durfte sich unsere Tochter aus ihrer Kiste etwas aussuchen. Manche Kinder fanden das sogar spannender als den Geburtstagskuchen. Und wenn es doch passiert, dann ist es wichtig, dass alle wissen was zu tun ist.

Anaphylaxiepläne für die Schule oder den Kindergarten kann man kostenlos beim DAAB bestellen https://www.daab.de/ Hier gibt es auch Webinare zum Thema Anaphylaxie

Mehr Infos über Erste Hilfe an Kitas und Schulen https://www.dguv.de/de/index.jsp

Artikel zum Thema: https://www.allergieinformationsdienst.de/aktuelles/news/news/article/erzieher-muessen-helfen.html?fbclid=IwAR3MvxGRbQm3ON-Z5OIfIFimRPPiFX5l-taeWuCrRRcp2f0mLhPmTfZthUE&cHash=ab9cfe16e583e03d7f84896a9764d47e

…Und in meinem Allergieratgeber „Total allergisch – na und?“ gibt es ein ganzes Kapitel über Kinder mit Allergien in Schule und Kita 🙂

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